Hier habe ich eine Sammlung von Begriffen zusammengetragen, die in Bezug auf systemische Aufstellungsarbeit immer wieder verwendet werden. Dazu habe ich die gängigsten Fragestellungen hinzugefügt, damit du hier ein umfassendes Nachschlagewerk findest. Viel Freude beim Stöbern!
Glossar: systemische Aufstellungsarbeit
Welche Begriffe und gängigen Fragen kursieren rund um systemische Aufstellungsarbeit? Hier findest du eine umfassende Sammlung zum Stöbern.
Ablauf einer Aufstellung
Typischerweise umfasst der Ablauf ein Vorgespräch, die Auswahl der Elemente, das Aufstellen im Raum, die Wahrnehmungsphase, Interventionen und die Integration. Diese Struktur sorgt für Klarheit und Sicherheit im Prozess. Der Ablauf kann je nach Format variieren. Ganz praxisnah beschreibe ich in einen Aufstellungstag in meinem Blogartikel.
Allparteilichkeit / Neutralität
Allparteilichkeit bedeutet, dass die Aufstellungsleitung jeder Position im System mit gleicher Wertschätzung begegnet. Es wird nichts bewertet oder bevorzugt. Diese Haltung ermöglicht tiefes systemisches Arbeiten.
Anliegengeber / Klient
Der Anliegengeber bringt das Thema oder die Fragestellung in die Aufstellung ein. Sein innerer Klärungsprozess bildet die Grundlage für die Arbeit. Er bleibt während der Aufstellung in Verbindung mit dem Prozess, auch wenn er nicht (die ganze Zeit) aktiv beteiligt ist, sondern in der Beobachterrolle verbleibt.
Aufstellungsformate
Aufstellungsformate beschreiben verschiedene methodische Varianten wie Familien-, Organisations- oder Strukturaufstellungen. Jedes Format dient einem anderen Ziel und folgt einer spezifischen Logik. Die passende Wahl erhöht die Wirksamkeit.
Aufstellungsleitung
Die Aufstellungsleitung führt durch den Prozess, hält den sicheren Rahmen und moderiert Wahrnehmungen und Interventionen. Sie arbeitet phänomenologisch und ohne Interpretation. Ihre Kompetenz prägt den gesamten Prozess. Daher ist es empfehlenswert auf entsprechende Erfahrung und Zertifizierung zu achten.
Beobachter
Beobachter nehmen am Setting teil, ohne selbst Rollen zu übernehmen. Sie profitieren oft durch Resonanz und Perspektivwechsel. Die Beobachterrolle eignet sich besonders für Lernprozesse. Beobachter können am Ende der Aufstellung in angemessenem Rahmen ihre Hypothesen zur Verfügung stellen („Könnte es sein, dass…“)
Bert Hellinger
Bert Hellinger ist der bekannteste Begründer moderner Familienaufstellungen. Er prägte die sogenannten „Ordnungen der Liebe“. Sein Ansatz war einflussreich, steht aber auch in der Kritik und wurde vielfach weiterentwickelt.
Bodenanker
Bodenanker sind Symbole oder Markierungen auf dem Boden, welche die Positionen der Elemente darstellen. Sie werden vor allem in Einzelaufstellungen genutzt. Klienten können die Felder betreten und die repräsentierende Wahrnehmung selbst erleben.
Brigitte Groß
Brigitte Gross ist eine bekannte Vertreterin professioneller Aufstellungsarbeit, insbesondere im Organisationskontext. Sie hat zur Weiterentwicklung und Professionalisierung der Methode beigetragen. Ihre Arbeit ist im deutschsprachigen Raum weit anerkannt.
Deutsche Gesellschaft für Systemaufstellungen (DGfS)
Die DGfS ist der zentrale Fachverband im deutschsprachigen Raum. Sie definiert Qualitätskriterien, ethische Leitlinien und Zertifizierungen. Zudem fördert sie Forschung und Austausch.
Digitale / Online-Aufstellung
Digitale Aufstellungen nutzen virtuelle Räume, Avatare oder Diagramme. Sie sind ortsunabhängig und besonders für Coaching-Situationen geeignet. Sie liefert überraschend tiefgreifende Erkenntnisse.
doppelt verdeckte Aufstellung
Bei der doppelt verdeckten Aufstellung kennen die Stellvertreter weder das Anliegen noch ihre Rollen. Dadurch entsteht maximale Offenheit und Neutralität. Diese Form eignet sich insbesondere für komplexe Themen oder in Kontexten, wenn der Verstand bewusst ausgeschaltet werden soll.
Embodiment
Embodiment beschreibt die Verbindung von Körpererleben und inneren Prozessen. Körperliche Resonanzen geben wertvolle Hinweise in Aufstellungen. Stellvertreter arbeiten meist stark mit somatischen Signalen.
Entscheidungsaufstellung
Eine Entscheidungsaufstellung visualisiert verschiedene Handlungsoptionen und deren Auswirkungen. Dadurch wird die Entscheidungssituation klarer und blockierende Muster werden sichtbar. Sie ist im Business-Kontext weit verbreitet.
Erkundungsaufstellung
Erkundungsaufstellungen dienen der Orientierung in einem Thema oder System. Sie zielen nicht sofort auf eine Lösung ab, sondern auf ein besseres Verständnis der Situation.
Externalisierung
Externalisierung bedeutet, innere Konflikte oder Strukturen sichtbar nach außen zu bringen. Der räumliche Abstand schafft Klarheit und neue Handlungsoptionen. In Aufstellungen ist dies ein zentraler Wirkfaktor.
Familienaufstellung
Familienaufstellungen zeigen Dynamiken innerhalb eines Familiensystems. Sie machen Bindungen, Belastungen und generationsübergreifende Muster sichtbar. Ziel ist häufig emotionale Entlastung und Klarheit.
Gestaltarbeit
Gestaltarbeit fokussiert das Erleben im Hier und Jetzt. Viele Methoden überschneiden sich mit Aufstellungsarbeit, etwa Rollenwechsel oder Sichtbarmachung innerer Anteile. Beide Ansätze ergänzen sich gut.
Gruppenaufstellung vs. Einzelaufstellung
Gruppenaufstellungen nutzen Stellvertreter, während Einzelaufstellungen meist Bodenanker oder Symbole verwenden. Gruppen wirken dynamischer, Einzelsettings intimer. Beide Formen haben spezifische Vorteile.
Gunthard Weber
Gunthard Weber war ein Pionier der Organisationsaufstellungen. Er professionalisierte die Methode im Unternehmenskontext. Seine Arbeit trug zur internationalen Verbreitung der Methode bei.
Hypothesenbildung (systemische Hypothesen)
Systemische Hypothesen sind vorläufige Annahmen über Zusammenhänge im System. Sie dienen der Orientierung, nicht der Diagnose.
Infosyon
Infosyon ist ein internationaler Verband für Organisations- und Strukturaufstellungen. Er legt Qualitätsstandards fest und fördert die internationale Vernetzung.
Intervention
Interventionen sind gezielte Schritte der Aufstellungsleitung, die Veränderung ermöglichen. Dazu gehören Positionswechsel, Sätze oder Hinzunahme von Elementen.
Insa Sparrer
Insa Sparrer ist Mitbegründerin der systemischen Strukturaufstellungen (SySt®). Ihre Arbeit verbindet Logik, Systemtheorie und lösungsfokussierte Methoden. Sie gehört zu den einflussreichsten Vertreterinnen der Szene.
Irritation
Irritation ist ein ungewohnter Impuls, der neue Perspektiven eröffnet. Sie zeigt, dass die Selbsterzählung über ein System nicht richtig sein muss, sondern es auch anders sein könnte. In ihr steckt ein wichtiger Entwicklungsimpuls.
Komplexität
Komplexität beschreibt die Vielzahl an Elementen und Wechselwirkungen im System. Aufstellungen helfen, diese Komplexität zu reduzieren, sie sichtbar und verständlich zu machen. Dadurch werden Muster und Zusammenhänge greifbar.
Konstellation
Eine Konstellation ist die räumliche Darstellung der Elemente im Raum. Sie macht Beziehungen, Spannungen und Dynamiken sichtbar. Jede Konstellation ist ein Momentbild eines lebendigen Prozesses.
Kosten einer Aufstellung
Die Kosten variieren je nach Setting, Anbieter und Format.
Lösungsbild
Ein Lösungsbild zeigt eine stimmige, ressourcenorientierte Konstellation des Systems. Es dient Klienten als Orientierung und inneres Leitbild. Meist fühlt es sich sofort „richtig“ an.
Lösungsfokussierung
Die lösungsfokussierte Haltung richtet den Blick auf das Funktionierende und Mögliche. Sie stammt aus der lösungsorientierten Kurztherapie. In Strukturaufstellungen ist sie zentral verankert.
Matthias Varga von Kibéd
Matthias Varga von Kibéd ist Mitbegründer der SySt®-Methode. Er kombiniert systemisches Denken mit Logik und Philosophie. Seine Arbeit beeinflusst Coaching, Therapie und Organisationsentwicklung gleichermaßen.
morphisches Feld
Das morphische Feld wird als hypothetisches Informationsfeld beschrieben, das Wahrnehmung ermöglicht. Es dient als Erklärungsmodell für repräsentierende Wahrnehmung. Wissenschaftlich ist es umstritten, aber in der Szene verbreitet.
offene Aufstellung
Bei offenen Aufstellungen kennen alle Beteiligten die Rollen und das Anliegen. Diese Transparenz kann das Lernen und aktive Mitdenken erleichtern.
Organisationsaufstellung
Organisationsaufstellungen übertragen systemische Prinzipien auf Teams, Projekte und Unternehmen. Sie klären Rollen, Ziele, Konflikte und Entscheidungsprozesse. Besonders hilfreich sind sie beispielsweise bei komplexen Führungsthemen.
Phänomenologie
Phänomenologie bedeutet, ohne Vorannahmen wahrzunehmen, was sich zeigt. In Aufstellungen bildet sie die Grundlage für repräsentierende Wahrnehmung.
Problem- / Lösungsaufstellung
Diese Form stellt die Problemsituation und mögliche Lösungsbilder nebeneinander. Der Kontrast erleichtert das Erkennen wirksamer Schritte. Sie eignet sich besonders für Coaching- und Entscheidungsprozesse.
Repräsentierende Wahrnehmung
Repräsentierende Wahrnehmung beschreibt das Phänomen, dass Stellvertreter Gefühle und Impulse des repräsentierten Elements wahrnehmen. Sie ist Kern der Aufstellungsarbeit. Ihre Präzision erfordert Achtsamkeit und Offenheit.
Resonanz
Resonanz bezeichnet die wechselseitige Reaktion zwischen Menschen oder Elementen. Stellvertreter nutzen Resonanz als Orientierungsinstrument. Im systemischen Kontext ist Resonanz ein zentrales Kommunikationsprinzip.
Risiken und Grenzen systemischer Aufstellungen
Aufstellungen sind kein Ersatz für Psychotherapie und benötigen klare professionelle Grenzen. Bei traumatischen Themen ist besondere Sorgfalt nötig. Seriöse Anbieter arbeiten transparent und achtsam, stellen vertiefende Fragen und verweisen ggf. auch in Richtung anderer fachlicher Betreuung.
Somatische Marker
Somatische Marker sind körperliche Signale, die emotionale oder unbewusste Prozesse anzeigen. In Aufstellungen sind sie oft wichtige Wegweiser. Sie unterstützen die Wahrnehmung und Entscheidungsfindung.
Stellvertreter
Stellvertreter übernehmen Rollen von Menschen, Aspekten oder abstrakten Elementen. Über repräsentierende Wahrnehmung geben sie Hinweise zur Systemdynamik. Ihre Erfahrungen bilden die Basis vieler Interventionen.
Systemische Dynamiken
Systemische Dynamiken beschreiben wiederkehrende Muster, die Verhalten und Beziehungen beeinflussen. Aufstellungen machen diese Muster sichtbar. Das ermöglicht gezielte Wahrnehmung und Veränderung.
Systemische Schleifen
Schleifen sind wiederkehrende systemische Muster oder Rückkopplungen. Sie zeigen sich häufig durch Bewegung oder Spannung im Raum. Durch Interventionen lassen sie sich verändern.
Systemische Strukturaufstellung (SySt®)
Die SySt®-Methode basiert auf klaren, logischen Formaten wie z.B. Tetralemma. Sie eignet sich für Coaching, Therapie und Organisationsentwicklung.
Systemische Therapie
Systemische Therapie ist eine wissenschaftlich anerkannte Psychotherapieform. Sie arbeitet mit Beziehungs- und Kommunikationsmustern. Viele Konzepte fließen in Aufstellungsarbeit ein.
Tetralemma-Aufstellung
Das Tetralemma bietet fünf Positionen zur Klärung komplexer Entscheidungen: A, Nicht-A, sowohl als auch, weder noch und die fünfte Position. Es ermöglicht kreative, ungewöhnliche Lösungswege. Das Format stammt aus der SySt®-Methode.
Therapieaufstellung
Therapieaufstellungen werden in psychotherapeutischen Kontexten durchgeführt. Sie eignen sich für tiefere persönliche Themen und benötigen besondere Qualifikation. Sicherheit, Ethik und Nachsorge sind hier zentral.
Timeline-Aufstellung
Timeline-Aufstellungen ordnen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft entlang einer Zeitlinie. Klienten können Themen neu einordnen und Entwicklungsschritte erkennen. Sie eignet sich für Coaching und Therapie gleichermaßen.
unerwartete Information
Unerwartete Informationen sind Wahrnehmungen oder Aussagen, die überraschend auftauchen. Sie liefern oft wichtige Hinweise auf verdeckte Dynamiken.
verdeckte Aufstellung
Bei verdeckten Aufstellungen kennen Stellvertreter zwar das Thema, jedoch nicht ihre Rolle. Dadurch wird die Wahrnehmung besonders offen und frei von Vorannahmen. Diese Form eignet sich für sensible Themen.
Visualisierung
Visualisierung findet durch räumliche Darstellung, Bodenanker oder Symbole statt. Sie macht komplexe Beziehungen sichtbar. Durch das Sichtbare wird Unsichtbares begreifbar.
Was ist eine Familienaufstellung?
Familienaufstellungen visualisieren Beziehungen, Muster und Belastungen innerhalb eines Familiensystems. Sie werden meist in Gruppen durchgeführt.
Wie funktioniert eine systemische Aufstellung?
Systemische Aufstellungen nutzen Stellvertreter oder Bodenanker, um innere Strukturen räumlich darzustellen. Über Wahrnehmung, Bewegung und Intervention entsteht Klarheit. Dadurch werden neue Informationen oder Lösungswege sichtbar.
Wirksamkeit und Studien
Studien untersuchen zunehmend die Wirkung von Aufstellungen, besonders im Coaching- und Therapiekontext. Ergebnisse zeigen positive Effekte für Klarheit, emotionale Entlastung und Entscheidungsfindung. Die Methode bleibt jedoch teilweise kontrovers und wird weiter erforscht, beispielsweise an der Uni Bremen.
Dir fehlt ein Begriff in diesem Glossar? Dann schreib ihn mir doch in die Kommentare und ich ergänze ihn nachträglich.


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